Bezahlen für die blaue Tonne

Zum Jahreswechsel kommen Gebühren für die Abfuhr des Altpapiers

Und jetzt auch noch Papier! Nicht genug damit, dass die Preise für Lebensmittel, für Energie und zuletzt die Gebühren für die Müllabfuhr rasant gestiegen sind und teils weiter steigen, jetzt sollen die Bürger auch für die Entsorgung ihres Papierabfalls per blaue Tonne bezahlen.

Wie das Unternehmen Hubert Schmid bekannt gab, werden ab Januar für jede 240-Liter-Tonne insgesamt 27,85 Euro pro Jahr fällig, für die große 770-Liter-Tonne 72,70 Euro. Immerhin: Wer die blaue Tonne in Zukunft nicht mehr nutzen mag, muss dies auch nicht tun. Altpapier kann weiterhin kostenlos auf den kommunalen Wertstoffhöfen abgegeben werden. Die blaue Tonne war zunächst in der Kreisstadt sowie in Buchloe und Füssen von der Marktoberdorfer Firma Hubert Schmid im Jahr 2008 eingeführt worden. Später wurde die Papierabfuhr auf den gesamten Landkreis ausgeweitet. Von vielen als Gratis-Service im Vier-Wohen-Rhythmus gerne angenommen, monierten andere, dass mit der kostenlosen Abfuhr des Papiers zahlreichen Vereinen im Landkreis eine wichtige Einnahmequelle genommen werde: Die hatten regelmäßig Altpapiersammlungen veranstaltet und das Sammelgut angesichts der damals hohen Preise gegen gutes Geld zugunsten der Vereinskasse verkauft.

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, vereinbarte die Firma Schmid mit den Vereinen für die ersten fünf Jahre einen finanziellen Ausgleich, wenn deren Sammelmengen zurückgingen. Für 2008 waren dies stolze 95 Euro pro Tonne. Knapp 14 Jahre später stellt sich die Lage laut der Firma Schmid anders dar.

Ausgleichszahlungen gibt es längst nicht mehr, dafür führe für die Firma Schmid „ein steigender Pappe-Anteil, insbesondere durch den Online-Handel und ein verändertes Leseverhalten zu einer deutlichen Verschlechterung der Papierqualität und daraus folgenden geringeren Vermarktungserlösen“

Als Abfallbehälter missbraucht

So heißt es in einem Schreiben des Unternehmens an die Nutzer, mit dem Anfang Oktober die Einführung der Gebühren begründet wird. Der Brief nennt auch einen zweiten Grund, den Geschäftsführer Reinhard Mayer durchaus sauer macht: Die blaue Tonne wird offenbar zunehmend auch als Abfallbehälter missbraucht. Folien würden darin entsorgt, Dosen und sogar Hausmüll. “Man kann sich gar nicht vorstellen”, so Mayer, “was da alles drin ist.” Wobei der weit überwiegende Teil der Nutzer, darauf legt der Geschäftsführer großen Wert, die blaue Tonne absolut bestimmungsgemäß gebraucht.

Schwarze und weiße Schafe

Unter anderem das Aussortieren besagter „Störfeststoffe“ koste viel Geld, und so gesehen müssen ab Januar die weißen für die schwarzen Schafe mitbezahlen. Ein kleines Zuckerl hat die Firma Hubert Schmid für alle schnell Entschlossenen aber parat: Wer bis Ende des Monats die blaue Tonne weiterhin beauftragt und die Gebühren abbuchen lässt, bekommt eine Gutschrift von sechs Euro (kleine Tonne) beziehungsweise 15 Euro (große Tonne).